Alle A1-Länder feiern Ostern. Das ist eine weitere Tradition, die uns alle verbindet. Auch wenn die Bräuche und Feierlichkeiten in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich sind, entdecken wir bei genauerem Hinschauen viele Ähnlichkeiten, so manches zerbrochene Ei und vor allem Essen in Hülle und Fülle.

Österreich

Nach Weihnachten sind Ostern die wichtigsten Feiertage in Österreich. Für gewöhnlich verbringt man Ostern zu Hause im Kreise der Familie. Die Schüler haben mehr als eine Woche Osterferien und auch in den Büros ruht die Arbeit für ein am Karfreitag beginnendes langes Wochenende (14. April). Wie in vielen anderen Ländern dürfen auch in Österreich zu Ostern bunte und kunstvoll verzierte Eier nicht fehlen. Diese Eier werden entweder zu Hause selbst gefärbt und gebastelt oder auf den mittlerweile zahlreichen Ostermärkten gekauft. In vielen Familien gibt es noch den Brauch, die Fastenzeit am Ostersonntag mit einem ganz besonderen Essen zu beenden. Zu diesem Festessen gehören ein Osterschinken, weißes Brot wie etwa ein „Reindling“, Eier und viele weitere Köstlichkeiten. Sich am Ostersonntag total zu überessen, gehört irgendwie auch dazu. Kleinen Kindern wird gesagt, dass der Osterhase Geschenke für sie versteckt hat, daher suchen sie überall im Haus und auch im Freien nach diesen Geschenken. Die hart gekochten, gefärbten Eier benötigt man auch für einen anderen Osterbrauch, dem Eierpecken. Zwei Personen nehmen jeweils ein Ei und schlagen diese mit der Spitze oder mit dem Boden gegeneinander. Der Spieler, dessen Ei heil bleibt, hat gewonnen. Dieser Brauch ist bei jung und alt gleichermaßen beliebt und kann in einen richtigen Wettkampf ausarten.

Bulgarien

Die Osterbräuche in Bulgarien leiten sich aus den Ritualen der Orthodoxen Kirche ab. Die Karwoche beginnt am Palmsonntag oder Tsvetnitsa (Blumentag – alle nach Blumen oder Bäumen benannten Personen feiern an diesem Tag ihren Namenstag) und dauert bis zum Großen Tag (Velikden). Die Ostereier werden in Bulgarien traditionellerweise am Gründonnerstag gefärbt. Das erste Ei wird immer rot gefärbt und bleibt bis zu den nächsten Ostern als Glücksbringer im Haus. Viele Menschen gehen am Ostersonntag um Mitternacht in die Kirche und umrunden nach der Messe die Kirche dreimal. Dabei folgen sie dem Priester mit brennenden Kerzen in der Hand. Am Ostersonntag treffen sich die Familien zu einem Festessen (Kozunak), zu dem traditionellerweise unbedingt ein süßes, speziell verziertes Osterbrot, Lammfleisch und gefärbte Eier gehören. Unmittelbar vor dem österlichen Festessen stößt man auch hier mit gefärbten Eiern an. Gewonnen hat immer die Person, deren Ei ganz geblieben ist (Borak). Dieses Ei wird als Glücksbringer bis zu den nächsten Ostern aufbewahrt.

Weißrussland

Die Vorbereitungen für das Osterfest beginnen in Weißrussland schon lange vor den Feiertagen. Kuchen und „Paschka“ werden für das österliche Festessen gebacken und Eier gefärbt. Auch hier gibt es den Osterbrauch des Eierpeckens: jeder nimmt ein Ei und schlägt damit gegen das Ei einer anderen Person. Gewonnen hat die Person, deren Ei am Ende noch immer heil ist. Während der Osterfeiertage gibt es zahlreiche faszinierende Bräuche, darunter auch die nächtliche Osterwache in der Kirche und die Kreuzprozession.

Kroatien

Wie in vielen anderen Ländern gibt es auch in Kroatien den Brauch des Ostereierfärbens (Pisanica). Dafür verwendet man unter anderen Zwiebelschalen, Rote Beete oder Spinat zum Färben und Schilf zum Verzieren. Weit verbreitet ist auch der Brauch, dass kleine Kinder Geschenke vom „Osterhasen“ bekommen. In Kroatien gibt es ebenfalls den Brauch des Eierpeckens: Eier werden gegeneinander geschlagen und der Besitzer des ganz gebliebenen Eis ist der Gewinner. Früher versammelten sich in den kroatischen Dörfern die Bewohner rund um das Christus symbolisierende Osterfeuer (krijes) und sangen Osterlieder.

Mazedonien

In Mazedonien sind die Osterfeiertage die wichtigsten Feiertage des Jahres. Hier ist es Brauch, dass die älteste Frau in der Familie früh am Morgen des Gründonnerstags, noch bevor die Sonne aufgeht, die ersten drei Eier rot färbt. Das erste Ei ist für Gott und schützt das Haus und die Familie, es erhält daher bis zu den nächsten Ostern einen Platz im Haus neben einer Ikone. Der Karfreitag dient der spirituellen Reinigung. Die Gläubigen gehen in die Kirche, wo sie unter einem besonders verzierten Tisch hindurchgehen, der das Grab von Jesus Christus symbolisiert. Am Abend des Ostersamstags treffen sich die Menschen mit einem Ei und einer Kerze in der Hand vor der Kirche. Nach dem Ende der 40-tägigen Fastenzeit kommen in den Familien am Ostersonntag viele Köstlichkeiten auf den Tisch, darunter grüner Salat, Lammfleisch, Lammsuppe, Osterbrot (milibrod) und ein Kuchen.

Serbien

In Serbien geht es zu Ostern sehr traditionell zu. Wichtig sind, Zeit mit der Familie und mit Freunden verbringen, Eier färben und beten. Für manche beginnt es bereits vierzig Tage vorher mit der bis Ostern dauernden Fastenzeit. In dieser Zeit essen tiefgläubige orthodoxe Christen keine tierischen Produkte. Diese Zeit dient der körperlichen und geistigen Reinigung der Christen sowie auch der Vorbereitung auf die heilige Kommunion, die sie am Morgen des Ostersonntags empfangen. In Serbien ist es zu Ostern üblich, früh aufzustehen und nicht vor Mitternacht ins Bett zu gehen. Wenn man vor Mitternacht schlafen geht, bedeutet das, dass man bis zu den nächsten Ostern schläfrig und faul ist. Am Ostermontag besuchen die Menschen in Serbien die Friedhöfe und legen ein rotes Ei auf jedes Grab, damit auch die Verstorbenen die Auferstehung Christi mitfeiern können. Dieser Tag wird auch „Vodeni ponedeljak“ (Wassermontag) genannt, da Knaben und junge Männer Mädchen und junge Frauen mit Wasser bewerfen.

Slowenien

Die slowenische Bezeichnung für Ostern ist Velika noč und das heißt „Große Nacht“. Ostern steht aber auch hier für ein großes Festessen nach Wochen des Fastens. Auch wenn nicht alle von uns wirklich fasten. In Slowenien bringen Christen für gewöhnlich vor dem Ostersonntag einen mit Köstlichkeiten gefüllten Korb zur Weihe in die Kirche. Das nennt man „žegen“. In so einem Korb gibt es Schinken, Brot, Kren, Potica, einen besonderen slowenischen Hefekuchen (Nusspotize) sowie bunt verzierte Eier. Diese köstlichen Speisen aus dem Korb kommen am nächsten Morgen auf den Tisch, wenn sich die ganze Familie zum traditionellen Osterfrühstück versammelt. Bunte Ostereier haben in Slowenien eine lange Tradition. Pisanice aus Bela Krajina sind weithin bekannt für ihre aufwendigen Muster und gelten als Paradebeispiel für die slowenische Volkskunst. Aber das Färben und Verzieren von Eiern ist auch ein seit jeher in Familien gepflegter Brauch, bei dem zahlreiche natürliche Substanzen wie etwa rote Zwiebelschalen, Spinatblätter, Nesseln, Löwenzahn, Safran und Holunderblüten verwendet werden.

Frohe Ostern! Und vergesst nicht, die Reste mit ins Büro zu bringen ;-)